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Kannst du mir nicht ein paar Tango-Schritte beibringen?

Tag 374: Sie wird dir keinen einzigen Schritt zeigen

Bin ich – nach meinem ersten Jahr als Tanguero – schon einer gewissen Verirrung anheim gefallen? Unlängst hatte mich die Frage: „Sag mal, kennst du nicht eine Dame, die mir ein paar Tango-Schritte beibringen könnte?“, schlicht und ergreifend völlig überfordert. Abgesehen davon, dass die Absicht hinter der Frage darin bestand, günstig – im Sinne von finanziellem Aufwand – an eine Dame ran zu kommen. Tatsächlich wurde mir in der Sekunde klar, ich könnte auf diese Frage nur mehr mit stundenlanger Hirnwichserei antworten. Vor gut einem halben Jahr hätte ich darauf geantwortet: „Klar doch, komm in meine Tanzschule, da gibt’s dann schon die eine oder andere Singledame, die sich gerne einen Anfänger zur Brust nehmen wird.“ Damals, wie auch heute, wäre auch klar, dass das Ansinnen des Fragenden auf gar keinen Fall funktionieren könnte.

Der Tango ist mir zu Kopfe gestiegen. Meine tänzerische Entwicklung kann da schon lange nicht mehr mit. Wo ist die schöne Zeit hingekommen, als der Tango Argentino hauptsächlich ein anstrengendes Vergnügen mit ungewissem Ausgang war. Da hatte ich das Lernen noch still und leidend und naiv hingenommen. Heute aber, tanze ich – immer noch nicht berauschend, aber ich tanze – und habe eine grundsätzliche Idee wie ich mich in meinem zweiten Jahr als Tanguero entwickeln möchte. Ich kenne das Geburtsdatum von Carlos Gardel, habe etliche Tango-CDs am iPhone, ein halbes Dutzend Bücher gelesen, besitze drei Paar Tanzschuhe und lasse mir schon Outfits nach Maß machen. Wien reicht mir auch schon nicht mehr. Auf Buenos Aires zu sparen habe ich begonnen.

Was hatte der da gemeint? „Ein paar Tango-Schritte?“ Moment Mal! Ich betreibe Tango Argentino. Was du meinst, ist der Tango der Standard Tanzschule. Ja, dort gehst du hin und bekommst was du willst. Also, da möchte ich schon deutlich darauf hinweisen: der Tango Argentino gibt dir nicht so mir nix dir nix was DU willst. Der Tango Argentino will zuerst einmal, dass du ihn verstehst. Er kriecht in deine Seele. Er vereinnahmt dich. Er schließt mit dir einen Bund für’s Leben, mit dem Glück, mit dem Teufel, mit der Leidenschaft, in einer Loge oder auch nur für deine Gesundheit. Er ist ein Tanz den sie anders kennen lernt als er. Den sie anders mag als er. Also, Mann, dir bleibt die schweißtreibende Arbeit nicht erspart. Du wirst Zeit und Geld investieren. Sie wird dir keinen einzigen Schritt zeigen.

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