Das Magazin der Tango Argentino Szene in Wien
Philosophicum

Der Tanguero als Liebhaber

Frivole Aspekte zum Thema: ist der Tanguero auch ein guter Liebhaber?

In einer heißen und etwas alkoholschwangeren Nacht in Griechenland besuchten wir – eine Gruppe von Frauen- eine Disco. Wir beobachteten die Tänzer. Nach einer Weile begannen wir sie zu klassifizieren. An diesem Abend wurde die Idee geboren, dass ein guter Tänzer, auch ein guter Liebhaber wäre. In den nachfolgenden Jahren wurde diese Idee, anhand unsere gemachten Erfahrungen, immer wieder einmal diskutiert und erörtert. Natürlich erheben wir keinen Anspruch auf ihre Richtigkeit. Wir können nur unsere subjektiven Erfahrungen zusammenfassen. Nachdem der Tango zu den erotischen Tänzen zählt, kann diese Theorie, glaube ich, darauf angewandt werden.

Was wollen wir Frauen im Tango und in der Liebe?

Weiche Umarmungen, die sich nicht wie ein Schraubstock anfühlen.

Hände, die sanft sind und uns nicht weg drücken.

Tänzer, die einen gemeinsamen Rhythmus suchen.

Und solche, die den Takt ändern und ihn anpassen können.

Tangueros, die uns Zeit für unsere Verzierungen lassen.

Und die uns Halt geben, wenn wir ihn brauchen.

Männer, die nach einem Tanz noch nicht genug haben.

Und solche, die Spaß an der Sache zeigen – und ihn nicht durch „gut gemeinte“ Kommentare ruinieren.

Also liebe Tangueras: wenn gar keine Punkte auf eure Tangueros zutreffen, lasst die Finger von ihnen. Sucht euch einen anderen Partner – für eure Nächte.

Ich würde mich natürlich auch freuen, wenn auch Männer uns ihre Erfahrungen schildern. Wir Frauen haben immer ein offenes Ohr dafür, wie wir unser Liebesleben reizvoller gestalten können.

Gastautor: Christine Gamboa-Lopez

Über den Autor:

Christine Gamboa-Lopez

Kommentare

  • Hallo und vielen Dank für den Beitrag. Ich finde Tanzen als Hobby sehr entspannend. Meine Tochter besucht einen Tango Kurs und ist immer sehr gut gelaunt nach den Kurse, es hilft ihr den Kopf frei zubekommen.

  • “Ist ein guter Tänzer auch ein guter Liebhaber?”

    Eine schöne These, die ein paar Gedanken wert ist.
    Die erste Frage ist vielleicht, was bedeutet guter Tänzer. Ich würde sagen, ein guter Tänzer ist ein Tänzer, bei dem sich die Frau gut aufgehoben und tänzerisch bereichert fühlt. Das ist in der Regel nicht der Tänzer, dessen Tanz von außen am spektakulärsten aussieht. Demnach ist die Außenorientierung für diese Definition von “gut” sekundär, es geht eher um eine klare Fokussierung auf die Partnerin und das Paar als Einheit.
    Folgt man dieser Definition von “gut”, kann man sagen, ein guter Tänzer ist in seinem Körper wirklich zuhause, er weiß, ihn zu bewegen und vermutlich auch zu genießen. Er weiß, körperlich eine Verbindung zu einer Partnerin herzustellen und diese interessant zu gestalten. All diese Eigenschaften sind auch für einen Liebhaber wichtig. Also ich würde sagen, ja, es kann da durchaus einen Zusammenhang geben.

  • Bitte mehr solche Beiträge, liebe Christine!!!! Davon werden die Tangueros so richtig inspiriert und gesprächig ;o)

  • „An diesem Abend wurde die Idee geboren, dass ein guter Tänzer, auch ein guter Liebhaber wäre.“

    Tanz ist nicht nur Harmonie nach innen. Also, zwischen einem Paar. Tanzen ist auch ein Mittel zur Außendarstellung. Wem beides optimal gelingt, bekommt Aufmerksamkeit. Völlig unabhängig von seinem tatsächlichem Charakter. Nur ein Tanguero, der Aufmerksamkeit erregt, kommt also in das Blickfeld der Damen, die ihn hernach klassifizieren? Also, jene die in der diffizilen Hierarchie einer Milonga nach vorne gereiht sind.
    Was, wenn ausgerechnet der Tanzanfänger, der in den Armen einer Tanguera alles gibt, aber trotzdem nur ein ordentliches Stück weit weg vom Ideal des Milongueros bleiben kann, der fantastischste Liebhaber des Abends wäre?
    Ich bin ein älterer Single Mann. Mit gewissem Selbstbewusstsein behaupte ich, auch ein Milonguero zu sein. Also einer, der dem Tango Argentino in hoher Leidenschaft verfallen ist. Der vom Tango überraschend gefunden wurde. Aber, der – das lässt sich nach eineinhalb Jahrzehnten als Single nun nicht vermeiden – als Liebhaber über deutlich mehr Erfahrung und Anerkennung verfügt, als sich der Tänzer in mir ausdrücken kann.

    „Was wollen wir Frauen im Tango und in der Liebe?“

    Dieser Liste von Christine kann ich – und werden sicher alle – zustimmen. Aber stimmt sie auch für zwei, die sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit, vielleicht sogar per absichtlicher Missachtung aller Konventionen, ihrem Liebesakt hingeben? Ich denke, dass Liebhaber und Geliebte, viel mehr als im Tanz – vielleicht sogar alles – von sich Preis geben wollen, damit sie auf ihre Kosten kommen. Sie sich in völliger Nacktheit ihren tiefsten Abgründen hingeben dürfen. Es den Moment gibt, wo sie in innigster Vertrautheit ein für sie beide sicheres Terrain ihrer Lust bespielen. Irgendwelche Regeln? Nein, die Regeln werden von den zweien unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht. Es gibt nur eine Regel: Wertschätzung der Seele und Befriedigung des Körpers. Ja, schon, da treffen sich in gewisser Weise die Ansprüche von Tanz und Eros. Aber: die Erotik im Tanz entsteht aus der Verbindung zwischen den Tanzenden, der Musik und der Umgebung in der alles stattfindet. Es gibt Regeln im Tango Argentino, an die sich die Tanzenden halten. Alles ist Öffentlich. Es dauert nur eine Tanda. Und ich fordere eine Tanzpartnerin nicht unbedingt wegen der Erotik auf.
    Meine Erotik als Liebhaber dagegen darf sich auf einer ganz anderen Ebene entfalten. Sie orientiert sich in erster Linie am Potenzial der Verbindung über eine ekstatische Nacht hinaus.
    Und ja, ich gebe es zu: während des Tanzes will ich die Partnerin in ihrer Körperlichkeit spüren, ein getanzter Flirt während einer Tanda. Ja, bitte! Und ja, die Qualitäten als Liebhaber lassen sich in den Tanzbewegungen ziemlich sicher besser beurteilen, als beim Cocktail an der Bar. Aber: ich präsentiere mich auf der Tanzfläche nicht als Liebhaber.

  • Für allgemeingültige Aussagen über geschlechterspezifische Themen im Tango Argentino fehlen mir wohl noch ein wenig die nötigen Jahre und Erfahrungen. Es sind ja gerade erst einmal acht Monate, in denen ich mich mit diesem wunderbaren Tanz befasse. Und so kann ich auch nur Blitzlichter wiedergeben, die bei Kursen, Workshops und Milongas zu beobachten waren.

    Es begann ja schon vor dem ersten Schritt auf dem Parkett! Da waren einmal jene Damen und Herren zu sehen, die in trauter Zweisamkeit kamen, die Schuhe wechselten, die Hände nicht losließen bis zum letzten Takt und für mich als Solo-Mann (dessen bessere Hälfte dem Tanzen aber schon gar nichts abgewinnen kann) quasi im Leo standenn, wie man in Wien zu sagen pflegt. Die Frage, ob die Dame des Paares mit einem tanzen wolle, wurde von ihrem Partner (sic!) abschlägig beantwortet. Na gut, dann halt nicht!

    Dann fallen mir natürlich jene Elfenwesen auf, die sich voll Anmut und Eleganz durch den Saal bewegen – ein kurzer Plausch und ich stelle fest: Mindestens 15 Jahre Tanzschulerfahrung, Einzelstunden, Aufenthalte in Buenos Aires, Ballettausbildung und was es sonst alles so gibt. Aber in deren Armen fühle ich mich wohl und geborgen, denn geduldig lächeln sie nach dem einen oder anderen Hoppala meinerseits. Da kommt echte soziale Empathie rüber, ob diese Damen gute Liebhaberinnen sind (sh. Thema dieses Beitrages) ist mir in dieser Sekunde aber so was von egal. Die Umarmungen fühlen sich einfach gut an. Und mehr ist von mir auch gar nicht beabsichtigt. Andere Workshop-Erfahrungen bringen aber genau das kontroverse Bild: Mitleidig und von oben herab wird der Anfänger dort hingestellt, wo er am besten aufgehoben scheint, an den Rand der Tanzfläche. Erste Erkenntnis: Tango Argentino ist ein Mikrokosmos, es geht dort so zu wie überall auf der Welt!

    Aber zurück zum Thema „Tango und Liebe“: Da sind wir nämlich beim entscheidenden Punkt liebe Christine! Wenn du als Mann ohne diesen ominösen Gedanken (in Wien Aufriss genannt) im Hinterkopf Tango tanzen gehst, dann entspannst du dich einfach viel besser. Die herkömmlichen Kriterien im „Beuteschema“ (fesch, schlank, blond um einmal die herkömmlichsten Stereotype zu zitieren) sind da so was von egal.

    Ja, und dann triffst du noch jene Anfängerinnen, denen es genauso geht wie mir selber, die Schwierigkeiten haben eine gemeinsame Achse zu finden, ja eigentlich muss man sagen, dass wir Beginner noch gar nicht wissen was diese Achse eigentlich sein soll….;-)

    Und wenn dann eine dieser Tangueras zu dir sagt: „Du führst wirklich gut, das ist echt angenehm,“ ja dann ist die Welt plötzlich in Ordnung. Und du freust dich auf das nächste Mal. Egal ob die Dame eine gute Liebhaberin ist oder nicht, es genügt wenn es am Parkett funkt!

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