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Una noche en Buenos Aires

Una noche en Buenos Aires – War ein Tango-Opern-Abend der zwei berühmte Kurzopern im Tangostil auf die Bühne des Akzent Theater in Wien brachte. Unterstützt wurden die Opern durch Tango Tanzinszenierungen dreier Wiener Tangopaare und dem Coro Eurolatinoamericano ebenfalls aus Wien.

Una noche en Buenos Aires, 4.-6- Okt. 2017, Theater Akzent, Wien.

„Mateo“ – Oper von Martin Palmeri (Armando Discépolo)

„María de Buenos Aires“ – Oper von Astor Piazzolla (Horacio Ferrer)

Tango Tänzer: Jorge Bosicovich & Sonja Apfler, Martin Acosta & Chiara Greco, Germano Militte & Rosa Ginger Berg

Chor: Coro Eurolatinoamericano

Orchester: Kammerorchester T.S.

Musikalische Leitung/Gesmtleitung: Pablo Boggiano

Regie, Kostüme, Ton- und Lichttechnik: Matteo Mazzoni

Impressionen aus der Oper “Mateo”

Der zeitgenössische argentinische Komponist Martin Palmeri schuf die Tango-Oper „Mateo“ zum Libretti von Armando Discépolo. Uraufgeführt wurde diese Oper 1999. Palmeri bediente sich einer italienischen Opern-Struktur und wagte den Spagat zum traditionellen Tango seiner argentinischen Heimat. Ein kleines Kammerorchester, dass dem Bandoneon (Pablo Mainetti) reichlich Spielraum gibt, lieferte ein gut gemachtes Stück Musik. Die drei bunten Bühnenbilder sind sehr gefällig. In zwei Szenen unterstützt der Chor das dramatische Geschehen. Interessant ist an dieser Oper, dass hier ein Tier – das Pferd “Mateo” – die Titelfigur ist. Das Tier selbst kommt nicht auf die Bühne. Palmeri spielt hier mit der Imagination.

Die Handlung entspricht der Erwartung an Themen des Tangos. Es geht um den tagtäglichen Überlebenskampf im tristen Lebensumfeld einer italienischen Einwandererfamilie, während der frühen 1940er Jahre in Buenos Aires. Hier der Kutscher Miquele, dort das moderne Motor-Taxi, dass seine Existenz ruiniert. Hier das Familienoberhaupt, dass sich über Wasser zu halten versucht. Dort die Jugend, die ihr Geld leichter verdienen will und kann. Schließlich rutscht Miquele in die Kriminalität ab. Der Tod seines Pferdes „Mateo“ besiegelt auch sein Schicksal. Mateo wird zum Symbol für die Tragödie des Miquele, die ihn in Folge ereilt. So ist auch der Höhepunkt des Werkes die Arie des Miquele, die er anstimmt, als Mateo im Sterben liegt und von Lisandro Guinis ans Herz gehend interpretiert wurde.

In den Hauptrollen waren zu sehen, der Bariton Lisandro Guinis als der Kutscher Miquele und die Mezzosopranistin Liliana Rugiero als Doña Carmen. Der anwesende Komponist Martin Palmeri durfte sich mit dem Esemble über wohlwollenden Applaus freuen.

Impressionen aus der Oper „María de Buenos Aires“

Schwere Kost gab es im zweiten Teil des Abends. Astor Piazzolla komponierte zu den Texten des uruguayischen Lyrikers Horacio Ferrer die Operita „Maria de Buenos Aires“. Die beiden Ausnahmekünstler sind heute die bekanntesten Marken der Tango-Welt. Ursprünglich komponiert wurde das Werk 1969 für den argentinischen Rundfunk. Als Piazzolla die Oper uraufführte, galt er als Außenseiter der argentinischen Tango-Gesellschaft. Mit „María de Buenos Aires“ schuf er die erste anerkannte Tango-Oper. Sie gilt auch als Quelle des Tango-Nuevo.

Die Oper ist ein surreales, völlig abgehobenes Werk. Bewusst entzieht es sich herkömmlichen Deutungsversuchen. Es verlangt nach Auseinandersetzung. Mehrmaliges minutenlanges vorlesen (!) von Texten ließ das Publikum ratlos zurück. Es in Wien in („spanischer“) Originalsprache aufzuführen ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Was nicht für die Musik gilt, die unter der Leitung von Pablo Boggiano, ihre Qualität hat und beim Tango-Fan bestehen konnte. Gleich 13 Bühnenbilder (Projektionen auf den Hintergrund), die sich mystischen Symbolen erklären, führen zu ebenso vielen Szenen und Auftritten.

Für María, die in Armut aufwuchs, ist der Tango jene Kraftquelle, die sie braucht um über die Bars und Bordelle ihren gesellschaftlichen Aufstieg zu erreichen. Symbolisiert durch einen Tango im Epilog. Es entspinnt sich eine verwirrende Geschichte um die Titelfigur María, die in Buenos Aires ins Milieu abrutscht, zur Prostituierten wird und nach einer Vergewaltigung in psychodelischen Traumwelten herumirrt, ihren Tod beklagt, aufersteht oder ist nicht doch alles ganz anders? Geister („El Duende“), Hurenmütter, Psychoanalytiker, betrunkene Männerrunden, Diebesgesindel,… ein Sittenbild oder ein Drogentrip. Alles scheint möglich zu sein. Die Musik dagegen ist ein klarer Tango mit einem klaren Bekenntnis. Marías Körper stirbt. Ihr Geist geht nie verloren. Er lebt weiter in einem Mädchen. Piazzolla wollte uns wohl nur eines sagen: der „Geist des Tango“ stirbt nie.

In den Hauptrollen waren zu sehen, der Bariton Lisandro Guinis als singender Erzähler Payador und die Mezzosopranistin Liliana Rugiero María.

 Impressionen von den Tango Tänzern

Drei Paare aus der Wiener Tango-Szene waren eingeladen Tangos für die beiden Opern zu gestalten und den Abend zu begleiten. Jedes Paar hatte Gelegenheit zu einem Soloauftritt und zweimal gab es einen Gruppenauftritt. Jede der beiden Opern wurden von einem getanzten Tango eingeleitet. Herausragend dabei, das komödiantische Talent von Jorge Bosicovich & Sonja Apfler als sie „Mateo“ mit einem augenzwinkerten Tango, als verliebtes Paar einleiteten. Martin Acosta & Jorge Bosicovich wiederum eröffneten die Oper „Maria de Buenos Aires“ mit einem sehenswert Tango unter Männern. Dem dramatischen Epilog der Maria, wurde eine Tango-Tanzszene vorangestellt in der Martin Acosta und Chiara Greco ihr Talent für die größere Bühne bewiesen. Germano Milite & Rosa Ginger Berg tanzten vor einem blutroten Bühnenbild einen Tango Pista par eczellence. Es wurde dem Publikum ordentlicher Tango de Salon, mit sparsam eingesetzten Hebefiguren und gelungenen Tango Escenaria Anteilen geboten. Insgesamt war es wohl auch als Werbung für den Tango und die Tanzschulen in Wien gedacht.

Die Tango-Tänzer: Jorge Bosicovich & Sonja Apfler (tanto-tango.com), Martin Acosta & Chiara Greco (tango-atelier.com)  und Germano Militte (tangogermano.com) & Rosa Ginger Berg (tangopasional.com)

 

Interview Pablo Boggiano und Martin Palmeri | Posting über die Tango Tänzer

Tango-Opera.com | Coro Eurolatinoamericano  | Theater Akzent

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Bilder © Bernhard Siegl

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