Das Magazin der Tango Argentino Szene in Wien
Lifestyle Szene Wien

Daniel Brühlmann und die Empanada

Die Empanada:

Es gibt in Südamerika so gut wie keine Straßenecke, an der nicht die „Empanada“ in irgendeiner Form angeboten würde. Diese leckeren halbmondförmigen Teigtaschen, mit ihren gekerbten Rändern, werden als Aperitif, aber auch als richtige Mahlzeit zu jeder Tages und Nachtzeit gegessen. Es gibt sie mit Rindfleisch, mit Käse, mit Huhn oder nur Kartoffel, mit Reis und Gemüse, knusprig gebacken im Mais- oder weich im Weizenteig. Es gibt sie scharf, pikant und sogar süß. Es gibt sie für jede Stimmungslage und zu jedem Fest. Es gibt sie in so viele Varianten, wie es Landschaften und Köche in diesem Kontinent gibt. Es gibt sie so vielseitig wie auch der Tango getanzt wird.

Reliefdarstellung am Pórtico de la Gloria, ca. 12.JH

Der Ursprung der Empanada liegt am Jakobsweg in Galizien. Schon im 11. JH. wurde sie von Jakobsweg-Pilgern erwähnt. Was gut zu einer Reliefdarstellung von Meister Mateo am Pórtico de la Gloria der Kathedrale von Santiago de Compostela passt, die aus dem 12. JH. stammt. Die Bezeichnung als Empanada kommt vermutlich aus der argentinischen Stadt Salta. Eine Stadt die 1582 an den Ausläufern der Anden, im Norden Argentiniens, gegründet wurde. Es ist recht wahrscheinlich, dass die gefüllten Weizentaschen der Spanier schon in dieser Zeit ihren Weg nach Südamerika gefunden haben. Dort wurde der Teig aber dann aus Maismehl hergestellt. Das spanische „empanar“ wiederum leitet sich aus der Begrifflichkeit „ummantelt“ im Sinne von „Paniertes“ her. Denn was sich unter der „Panade“ verbirgt ist ein Geheimnis. Es enthüllt sich erst beim herzhaften Biss in die Teigtasche.

Daniel Brühlmann:

Ich treffe Daniel Brühlmann in seiner Empanada Box in der Hernalser Kalvarienberggasse. Er soll ein Wiener sein, der aus Kolumbien stammt? Sein Name klingt nach einem Deutschen. Die Empanadas die ich esse, schmecken nach Lateinamerika. So beginnen meist interessante Lebensgeschichten. Der 40-jährige betreibt den Laden gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Linda Sauer – die aus Deutschland stammt.

Daniel Brühlmann, Linda Sauer und Köchin Mileydis

„Meine Mutter ist Kolumbianerin, mein Vater Österreicher. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich überwiegen in Kolumbien und oft auch als Pendler zwischen den Kontinenten. Bis zu meinem – österreichischen – Schulabschluss hatte ich 12 Schulen sowohl drüben wie auch hier besucht“, erzählt er. Er ist mit der Empanada aufgewachsen, die auch in Kolumbien zur gastronomischen Volks- und Lebenskultur gehört. Beruflich reist er viel und quer durch Europa. Leider, so musste er feststellen, gibt es die Empanada in Europa nur selten. Selbst in Ländern mit spanischem Hintergrund sind sie – zumindest als Angebot in der Gastronomie – nur Außenseiter. In Madrid und Barcelona sind sie in kleinerem Rahmen erhältlich – so wie auch in Berlin. 2010 kam ihm dann der Gedanke sich hinzusetzen und Empanadas für ein eigenes kleines Lokal selber zu entwickeln. Es sollte dann aber doch noch bis zum Sommer 2016 dauern, bis sich aus der Idee der Laden manifestierte. Knapp 500 Jahre nach der erstmaligen schriftlichen Aufzeichnung eines Empanada Rezeptes in Katalonien.

„So haben wir dann, gemeinsam mit Hilfe der Familie und Verwandtschaft in Südamerika, die Rezepturen entwickelt.” Mama Carolina reiste hin und her. Oma Rosa und Opa Carlos, dürfen sich gemeinsam mit Tante Esperanza der Urheberschaft der heute in Wien angebotenen Empanadas rühmen. Maschinen und Einrichtungen wurden importiert. Lieferanten für die Zutaten in Wien gesucht und mit Behörden gekämpft. Immer auch begleitet von etwas Skepsis, wenn Brühlmann’s südamerikanischen Wurzeln und das Produkt Empanadas ins Spiel kamen. Sogar zum Erfinder wurde er. Die Füllung einer Empanada ist von außen nicht erkennbar. „Wir führen 12 verschiedene Empanadas. So haben wir für jede Füllung ein eigene Randkerbe erfunden,“ erzählt Daniel stolz.

Der neue Fixpunkt im Leben von Daniel ist die Hernalser Empanada Box. Da drängt sich die Frage auf, wo er seine (emotionale) Heimat heute sieht: “Das ist schwer zu beantworten. Ich fühle mich auf beiden Seiten etwa gleichwertig wohl. Wenn man beide Welten kennt, dann hat natürlich jede Seite ihre ganz spezifische Note. Es gibt kolumbianische Seiten die ich hier in Wien vermisse, so wie ich drüben manche österreichische Seite vermisse. Aber, es gibt einen ganz großen Vorteil: ich kann mich auf zwei Kontinenten sehr frei bewegen, weil ich deren Sprache und Kultur im Blut habe.“

Zeichnung: die kreativen Ränder dienen dazu, um den Inhalt der Empanada auch von außen zu erkennen.

Die Empanada Box:

Die kleine Empanada Box ist am Weg sich zu etablieren. Es treffen sich hier Studenten und die 83 jährigen Pensionistin, die nach „Banana“ verlangt. Der Latino-Community wird hier etwas Heimatfeeling geboten. Mit Latino-Musik und Mitarbeitern, wie Mileydis, einer ausgebildeten Köchin aus dem Küstengebiet Kolumbiens und der Koch Mauricio aus Bolivien. 12 verschiedene Empanadas gibt es, sowie importierte Biere, Tee und Kaffee – der von einem regionalen indigenen Kaffeeanbau stammt. Dem Wiener empfiehlt sich die Empanada Box als kulinarische Abwechslung, ihrem Ambiente und nicht zuletzt auch mit südamerikanischen Flair.

Info: Empanada Box, Kalvarienberggasse 41, 1170 Wien. Homepage der Empanada Box

 Bilder: © Bernhard Siegl, Empanada Box

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