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Der noch größere Milonga-Führer

Der noch größere Milonga-Führer

Mit seinem – noch größeren – Milonga-Führer bietet der Autor Gerhard Riedl einen umfangreichen „Tango-Reiseführer“ für alle tänzerischen Tango-Lebenslagen an. Er bereist die Tangowelt quer über alle Facetten die den Tango so ausmachen. Da ist alles enthalten, dass einen angehenden Tanguero erwarten wird. Da ist alles beschrieben was der erfahrene Milonguero kennt und durchgemacht hat. Gerhard Riedl hat eine zeitlose Fundgrube für jeden Anspruch geschrieben. Nicht nur mit Satire, sondern durchaus auch mit großem Ernst.

Der Autor (Jahrgang 1950) war Gymnasialpädagoge, lebt in einem Dorf in Bayern und wurde bekannt für sein Buch „Der bitterböse Lehrer-Retter“. Mit seiner Frau Karin ist er seit drei Jahrzehnten am Parkett unterwegs. Seit 18 Jahren sind sie vom Tangovirus angesteckt und sind der Faszination der Musik erlegen. Auf vielen „Tangotouren“, als Veranstalter eigener Milongas, als Tango DJ und Betreiber eines erfolgreichen Tango-Blogs

Genau genommen ist der Titel „Milonga-Führer“ ein Missverständnis. Gerhard Riedl erfüllt den Anspruch den Tango in seiner Ganzheitlichkeit zu verarbeiten. Es geht hier also um viel mehr, als die vordergründige Absicht „ich geh’ dann Mal tanzen“. Im „noch größeren Milonga-Führer“ kommentiert er die aktuelle Situation des Tango. Er lässt sich über Benimm-Regeln genau so aus, wie er das Tangolernen in Tanzschulen kritisch betrachtet. Er bietet seine persönlichen Erfahrungen zur Tangotechnik an, um seine Leser immer wieder vor den vielfältigen Gefahren des Tango zu schützen. Die er hauptsächlich darin erkennt an falsche Lehrer zu kommen, Hackordnungen, Amateur-Argentinier die auf die Musik vergessen oder sich nur mehr dem sturen Pauken von Figuren zu ergeben.

18 Jahre Tango-Tanzpraxis sind eine Menge Argumente für dieses Buch. Ich habe mich nicht nur köstlich amüsiert, sondern derweilen wohl auch ein Kilogramm an Textmarkern verbraucht um alles markieren dass mir gut und wichtig erscheint. Man merkt in jeder Seite des Buches, dass hier ein Autor am Werke war, der Tango tanzt, ihn lebt und dem die Musik und die damit verbundenen Ausdrucksmöglichkeiten sehr am Herzen liegen. Musik und das musikalische Tanzen machen, in verdauliche Kapitel unterteilt, gut ein Drittel des Buches aus. Da geht’s um Instrumente und Tanzfiguren, Posen, Rhythmik und Melodik genau so wie um Streitfragen zur „tanzbaren“ Musik, und „pseudo-argentinischen“ Vorbilder und Lehrer. 26 Seiten umfasst der Fundus bekannter Tangostücke. Immer noch nicht genug für Gerhard Riedl. Es folgt noch eine Schatztruhe seiner persönlichen Lieblingsstücke. Um dann auch noch über Tango-Filme zu schreiben. In den Kapiteln zur Evolution des Tango, aus seinen historischen Wurzeln heraus, bis zu neuen – schrillen und unnötigen – Modeerscheinungen zeigt sich, dass hier ein echter Experte am Werk ist.

Gerhard Riedls Sprache ist tatsächlich amüsant-satirisch. Der Inhalt dagegen ist ernstzunehmen. Beides zeigt sich auf Seite 121 an einem umwerfenden Kurs-Bewertungsbogen. Welcher jeden Tanzkurs-Lehrer zum Zittern bringt und jeden Tangokurs-Besucher ein erstauntes „Wirklich war, so ist es bei mir auch!“, entlocken wird. Fazit: wer vor hat, sich dem Tango zu widmen, der bekommt mit Gerhard Riedls „Milonga-Führer“ einen Ratgeber, der ihn lange Zeit informativ begleiten und mit kurzweiligen „Aha-Effekten“ unterhalten wird.

Gerhard Riedl, Der noch größere Milonga-Führer

Ein amüsant-satirischer Ratgeber zum argentinischen Tango,

396 Seiten, BoD, 2. Auflage 2016, ISBN: 978-3-7322-6187-1, € 22,90

Gerhards Tango-Report

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