Das Magazin der Tango Argentino Szene in Wien
Musik Szene Szene Wien

Dúo Cimarrón in der Roten Bar

Emilio Turco Gitarre und Mateo Terille Bandoneon, das Dúo Cimarrón, in der Roten Bar im Volkstheater in Wien

Das Haustier, das flieht und auswildert, wird im Spanischen als „cimarrón“ bezeichnet. Das englische – von cimarrón abgeleitete – „maroon“ steht als Begriff für die von den Plantagen geflohenen Sklaven und ihren Nachfahren. Cimarrón könnte auch die Suche nach den ursprünglichen, unverfälschten, wilden und wesentlichen Eigenschaften bedeuten. So verstehen sich der Gitarrist Emilio Turco und der Bandoneónista Mateo Terrile, die das Dúo Cimarrón bilden, als Musiker, die den Tango im Kampf zwischen seiner Freiheit und seiner Domestikation erleben.

In der Roten Bar im Wiener Volkstheater, startete das Dúo Cimarrón ihre zweite Europatournee. Eingeladen von Susanne Maurer zu ihrer traditionellen Crossover-Milonga, spielten die beiden „Straßenmusiker“ aus Buenos Aires, einfühlsame und behutsam vorgetragenen Tangos aus der großen Zeit des Tango Argentino. In Verbindung mit dem schöngeistig-kitschigen Ambiente der Roten Bar bildete sich eine inspirierende Atmosphäre, die zu einem entspannten Tanzen einlud und die sich auf die anwesende Milongagemeinde gut übertragen konnte.

Der 32 Jährige Gitarrist Emilio Turco stammt aus Buenos Aires und arbeitet als Gitarrelehrer, spielt in verschiedenen Musikprojekten die Rock, Jazz und Tango Orquestras umfassen. Der 28 Jährige Bandoneónista Mateo Terrile wurde in Formosa geboren. Er war Mitglied des Emilio Balcarce Theaching Orchestra und agiert in Video-Produktionen, Theateraufführungen und Shows in der Tango-Szene in Buenos Aires. Getroffen haben sich die beiden in einem Orquestra Tipica. Als Dúo Cimarrón treten Sie auf Milongas in Buenos Aires auf, begleiten Events oder spielen auch auf der Straße. Sie versuchen den Ursprüngen der Kompositionen nahe zu kommen, weshalb sie konsequent instrumental bleiben werden.

Impressionen Dúo Cimarrón in der Roten Bar

Dúo Cimarrón in der Roten Bar im Volkstheater Wien

Im Interview meinte Emilio Turco, dass sie damit nicht das Wiederholen bekannter Traditioneller Covers verstehen, sondern so nahe wie möglich an den Moment des Entstehens eines Musikstückes herankommen wollen. Den ersten greifbaren und spielbaren Gedanken die ein Komponist oder der erste Interpret eines Stückes hatte. Deshalb wollen sie auch nicht über die Größe des Duos hinausgehen. So könnten sie am stärksten und rohesten die Musik vermitteln und am schnellsten auf die Rückmeldung der Zuhörer reagieren.

Mateo Terrile ist ein Intellektueller, der ab seinem achten Lebensjahr mit dem Bandoneón aufgewachsen ist und der sich immer noch im Studium bei seinem Maestro Rodolfo Mederos befindet und dieses offenbar dauerhaft sein Leben begleiten lassen will. Er kann auf eine Zusammenarbeit mit Nestor Astarita, Kevin Johansen, Julieta Venegas, Paulinho Mozka und Omar Mollo verweisen. Sein ruhiges und beherrschtes Spiel des Bandoneón gibt Tänzern Sicherheit und führt zu einem guten Verständnis eines Stückes für die Zuhörer.

Emilio Turco und Mateo Terille sind das Dúo Cimarrón

In der Roten Bar kamen Tänzer und Zuhörer in den Genuss eines gut zusammen gestellten Mix aus Klassikern und weniger oft gehörten Stücken. Zum Beispiel ist, das schon tausendmal gehörte, „La Cumparsita“ reduziert auf Gitarre und Bandoneón, ein ungewohntes neues Hörerlebnis. Während „El Choclo“ seine Stakkato artige Härte völlig verliert und mit ungewohnter Weichheit im Klang daherkommt. Fast schon lausbubenartig übermütig wirkt „El Pollo Ricardo“ vom hierzulande eher wenig gespielten Maestro Luis Alberto Fernandez. Das Duo will durch die Auswahl des Repertoires, den Einsatz rhythmischer Mittel und die Interpretation Tangueros und Tangueras ermutigen das Parkett zu füllen. Ein Anspruch, der in Verbindung mit dem romantische Element der Roten Bar, und die sanften Interpretationen des Dúo Cimarrón wunderbar zusammenpasste und der Tangogemeinde einen unterhaltsamen Abend bot, bei dem man sich auch ganz gut ins Buenos Aires vergangener Zeiten träumen lassen konnte.

Homepage: www.duocimarron.com/

Facebook: www.facebook.com/duocimarron/

Musikbeispiele: soundcloud.com/duocimarron/albums

Playlist (Auzug): A mis viejos (Osvaldo Berlingeri) | Danzarin (Julian Plaza) | De puro guapo (Pedro Laurenz/Manuel Meaños) | El Pollo Ricardo (Luis Alberto Fernandez) | El Choclo (Angel Villoldo) | Felicia (Enrique Saborido/Carlos Pacheco) | Madame Ivonne (Eduardo Pereyra/Enrique Cadicamo) | Nunca tuvo novio (Eduardo Pereyra/Enrique Cadicamo) | Silbando (Catulo Castillo/Sebastian Piana) | La Cumparsita (Gerado Matos Rodriguez) | Un Ülacer (Vicente Romero/Juan Caruso) | Palomita blanca (Anselmo Aieta) | Pedacito de cielo (Enrique Francini/Héctor Stamponi) | Flor de lino (Homero Expósito/Héctor Stamponi) | Romance de barrio (Homero Manzi/Anibal Troilo) | Milonga des mis amores (Pedro Laurenz/José Maria Contursi) | La Calandria (Isaco Abitbol)

Leave a Comment